Rumäniens Ruhrpott:
Die Geisterstädte der Steinkohle


Die Schuldenbremse bringt das Ende des Bergbaus und die
Bukarester Mittelschicht feiert ihren Sieg über die Barbarei.
Wie lebt sich heute im verarmten Schiltal, und wie könnte eine nachhaltige
Alternative zum Bergbau in der betroffenen Region aussehen?
Eine multimediale Webdokumentation.

+++ Die erste Hürde ist überstanden: Wir haben bis Ende 2013 einen Teil der erforderlichen Finanzierung, rund 3.600 Euro, auf der Crowdfunding-Plattform Krautreporter.de zusammenbekommen. Die Erste Stiftung in Wien hat unser Projekt noch zusätzlich mit 3.000 Euro gefördert, was uns erlaubt, für die technische Umsetzung keine Schulden bei Freunden zu machen. Wir haben uns schon auf den Weg und an die Arbeit gemacht. Wir danken allen, die unser Projekt finanziell unterstütz und möglich gemacht haben, sowie den rumänisch- und deutschsprachigen Medien, die darüber berichtet haben. Wir danken auch jenen Freunden und Unbekannten, die uns auf andere Weise geholfen haben, sei es auch nur mit einem Facebook-Post über das Projekt. Wir versprechen, dass die Ergebnisse die Erweiterungen übersteigen werden. +++

Die letzten Bergwerke im Schiltal werden in den nächsten drei Jahren geschlossen. So hat die rumänische Regierung, zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union, entschieden. Über 3.000 Mitarbeiter verlieren ihre Stellen, mehrere Zehntausende sind indirekt betroffen. Eine Region, die in vielerlei Hinsicht dem Ruhrpott ähnlich ist, wird bald zu einer öden Landschaft: Sieben Geisterstädte reihen sich schon heute entlang des Schils (rumänisch "Jiu").

Was ist der Plan?

Für viele Vertreter der neuen Mittelschicht aus den Großstädten gilt das Bergbaugebiet als eines der stärksten Symbole einer Unterklasse, die daran schuld sein soll, dass man sich noch immer als Europäer zweiter Klasse fühlt.

Wir haben uns auf den Weg in eine der ärmsten Gegenden Rumäniens gemacht. Wir wollen die letzten Bergleute in ihrem Alltag begleiten, auf ihren letzten Fahrten unter Tage, am Küchentisch und auf der Suche nach einer neuen Arbeit - oder nach einer neuen Heimat in Westeuropa. Auf der Basis der Dokumentation werden wir mit Eurer Unterstützung eine multimediale Webseite entwickeln, die diese besondere Community porträtiert.
Einst ein beliebtes Symbol von Fortschritt und Industrialisierung in der stalinistischen Propaganda, gilt das Schiltal jetzt als Ort der Perspektivlosigkeit - und der Auswanderung nach Westeuropa. Die Schließung der Minen wurde sicher aus wirtschaftlichen, aber vor allem aus politischen Gründen beschlossen: Es ist der letzte Akt in einem langen Kulturkampf der liberalen, „westlichen“ Bukarester Eliten gegen die „rückständigen Barbaren“ aus dem Schiltal.

Wie lebt es sich in diesen verarmten Kleinstädten, die mitten in einem der schönsten rumänischen Naturparks liegen? Und wie könnte eine nachhaltige Alternative zum Bergbau im Schiltal aussehen? Eine, die sowohl den Menschen, als auch der Umwelt eine kohlefreie und gleichzeitig menschenwürdige Zukunft anbietet. Wir reisen nach Siebenbürgen, um es genauer zu erfahren.

Die wenigen Versuche, die Gebäude der alten Minen zu retten und ein Bergbaumuseum einzurichten, sind bisher gescheitert.

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Viele Journalisten haben die Idee für eine Story im Kopf, die nur darauf wartet, recherchiert und veröffentlicht zu werden. Journalismus-Crowdfunding ermöglicht Storys, die wichtig sind, die aber niemand finanziert. Für manche journalistischen Projekte haben Medienunternehmen einfach kein Geld mehr. An deren Stelle treten viele freiwillige Unterstützer. Sie finanzieren mit kleinen Beträgen Reportagen, Recherchen und Reisen, Features, Fotos und Filme. Aus einfachen Lesern werden Journalismus-Förderer.

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Zu den Autoren

Silviu Mihai1978 in Rumänien geboren, hat Politik und Philosophie in Bukarest, Budapest und an der Freien Universität in Berlin studiert. Zwischen 2005 und 2007 war er als Redakteur bei einer großen Bukarester Tageszeitung tätig, dann zog er wieder nach Berlin, wo er bis heute als freier Journalist und Osteuropa-Korrespondent für zahlreiche deutschsprachige Medien arbeitet. Er reist fast jeden Monat durch Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Republik Moldau oder die Länder des ehemaligen Jugoslawiens und veröffentlicht Reportagen, Features und Hintergrundanalysen unter anderem in der Berliner Zeitung, im Tagesspiegel, in der FAZ, im Freitag oder in der Wochenzeitung. Mehr Informationen unter: www.silviumihai.de

George „Poqe“ Popescu1980 in Rumänien geboren, arbeitet in Bukarest als freier Fotojournalist. Seine Bildstrecken und seine großen sozialen Reportagen sind sowohl in rumänischen Magazinen (Decat o Revista, Esquire, Vice Romania), als auch in Publikationen aus Deutschland (FAZ, Berliner Zeitung, Jungle World), Österreich (Wiener Zeitung), und der Schweiz (Die Wochenzeitung). Fotoblog unter: www.poqe.com

Beide Autoren sind Mitglieder von n-ost, dem Netzwerk für
Osteuropa-Berichterstattung.